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Rhein-Hochwasser: Was Bonn aus den Fluten von 1784, 1926 und 1993 gelernt hat

Von den Pegelständen 1926 und 1993 bis zu Beuel-Nord: Ein Überblick über Bonns Hochwassergefahr, Schutzmaßnahmen und praktische Vorsorge.

Bonn-Bewegt · 2026-11-03
Verheerende Hochwasser
Verheerende Hochwasser · Rhein Bewegt

Der Rhein gehört zum Bonner Stadtbild – als Verkehrsweg, Landschaft und beliebter Ort am Wasser. Doch wenn der Fluss steigt, werden Uferwege und tiefliegende Bereiche zur Gefahr. Die Hochwasser von 1926, 1993 und 1995 zeigen, wie unterschiedlich die Städte am Rhein betroffen sein können. Für Bonn ist dabei nicht nur der historische Höchststand wichtig: Auch die Lage einzelner Stadtteile und die örtlichen Schutzanlagen entscheiden darüber, wo Wasser zuerst zum Problem wird.

Warum der Rhein über die Ufer tritt

Hochwasser entsteht häufig nach anhaltendem Regen über großen Teilen des Rheineinzugsgebiets. Sind die Böden bereits gesättigt, fließt zusätzliches Wasser rasch in Bäche und Nebenflüsse. Schneeschmelze kann die Wassermengen weiter erhöhen. Auch Zuflüsse wie Mosel und Sieg beeinflussen den Verlauf einer Hochwasserwelle.

Kritisch wird es, wenn mehrere Faktoren zeitlich zusammenkommen. Die Entwicklung hängt außerdem von Jahreszeit, Flussausbau und Rückhaltemaßnahmen ab. Ein hoher Rheinpegel ist deshalb nicht allein durch das Wetter in Bonn zu erklären.

1784: Ein Hochwasser durch Eisstau

Im Februar 1784 löste Tauwetter nach einem außergewöhnlich kalten Winter ein verheerendes Eishochwasser aus. Aufgebrochene Eisschollen wurden flussabwärts getrieben und stauten sich an Engstellen. Das Wasser konnte nicht mehr ungehindert abfließen.

Für Köln wird ein historisch rekonstruierter Wasserstand von etwa 13,55 Metern am Kölner Pegel angegeben. Für Köln und das damals eigenständige Mülheim sind 63 Todesopfer überliefert. Dieser Wert beschreibt den Kölner Pegel und lässt sich nicht als Wasserstand für Bonn lesen. Das Ereignis macht dennoch deutlich, dass Hochwasser am Rhein früher auch durch Eisstau entstehen konnte.

Wenn das Haus im Wasser versinkt
Wenn das Haus im Wasser versinkt · Rhein Bewegt

1926: Hochwasser zum Jahreswechsel

Anhaltende Niederschläge und Schneeschmelze ließen den Rhein Ende 1925 und Anfang 1926 stark steigen. In Bonn wurde ein Höchststand von 10,10 Metern am örtlichen Pegel dokumentiert. In Köln waren es rund 10,70 Meter, in Düsseldorf 11,10 Meter.

Diese Zahlen sind nicht direkt miteinander vergleichbar: Die Pegel haben unterschiedliche Nullpunkte. Sie zeigen jeweils den Messwert an der betreffenden Messstelle, nicht eine einheitliche Höhe des Flusses über dem Meeresspiegel.

1993 und 1995: Zwei große Fluten in kurzer Folge

Im Dezember 1993 führten außergewöhnlich starke Regenfälle zu einem massiven Anstieg des Rheins. Am Heiligabend erreichte der Kölner Pegel 10,63 Meter. Auch Bonn war betroffen: Dort wurden 10,13 Meter gemessen. In Düsseldorf lag der Höchststand bei 10,24 Metern.

Hochwasser Rhein
Hochwasser Rhein · Rhein Bewegt

Nur gut ein Jahr später stieg der Rhein Ende Januar 1995 erneut stark an. Heftiger Regen, Tauwetter und Zuflüsse aus Mosel und Sieg ließen den Kölner Pegel zeitweise um bis zu 21 Zentimeter pro Stunde steigen. Am 30. Januar wurden dort 10,69 Meter erreicht. In Bonn lag der Höchststand bei 10,08 Metern, in Düsseldorf bei 10,32 Metern.

In Köln wurden 1995 rund 1.740 Hektar Stadtgebiet überflutet und etwa 33.000 Menschen waren betroffen. Nach Angaben der Stadtentwässerungsbetriebe beliefen sich die Schäden dort auf rund 35 Millionen Euro. Die Kölner Zahlen beschreiben nicht das Ausmaß der Schäden in Bonn, zeigen aber die Dimension der damaligen Flut im Rheinland.

Wo Bonn besonders aufmerksam sein muss

Bonn ist nicht überall gleich stark gefährdet. Besonders tiefliegende Bereiche am Rhein stehen im Fokus des Hochwasserschutzes. Rechtsrheinisch nennt die Stadt Beuel, Geislar und Schwarzrheindorf; linksrheinisch gehören unter anderem Graurheindorf und die direkten Uferbereiche dazu.

Hochwasser Alarm
Hochwasser Alarm · Rhein Bewegt

Schon bei einem Bonner Pegel von etwa sieben Metern werden Teile der Beueler Uferpromenade überflutet. Auch das Rathenauufer ist früh betroffen. Für Anwohnerinnen und Anwohner bedeutet das: Ein Hochwasser macht sich nicht erst bemerkbar, wenn Wohnhäuser bedroht sind. Sperrungen und überflutete Wege können bereits vorher den Alltag verändern.

Deiche, Schutzmauern und Pumpwerke

Nach den Hochwassern von 1993 und 1995 wurden in Bonn Schutzmaßnahmen umgesetzt. Dazu zählen modernisierte Deiche, feste Schutzmauern, mobile Schutzelemente und Pumpwerke. Die Beueler Deichanlage wurde erhöht und ist auf einen Bonner Pegel von 11,20 Metern ausgelegt. An bestimmten Stellen ergänzt eine zweite Schutzlinie aus mobilen Wänden die Anlagen.

Hochwasserabwehr beginnt außerdem unter der Erde: Bei einem Bonner Pegel von 5,50 Metern werden Maßnahmen an der Kanalisation eingeleitet, um das Eindringen von Rheinwasser zu begrenzen. Die konkreten Schutzmaßnahmen unterscheiden sich je nach Lage und Bauweise eines Bereichs.

Auch Köln und Düsseldorf setzen auf mehrere Arten des Schutzes. In Köln kommen entlang des Rheinufers unter anderem Deiche, feste Mauern, mobile Wände, Pumpanlagen und Rückhalteräume zum Einsatz. In Düsseldorf gehören Deiche, Hochwasserschutztore und technische Anlagen dazu. Die Beispiele zeigen: Schutz ist kein einzelnes Bauwerk, sondern ein Zusammenspiel verschiedener Maßnahmen.

Auch ein langes Hochwasser kann belasten

Die Höhe eines Pegels ist nicht der einzige wichtige Wert. Anfang 2024 blieb der Rhein in Köln 61 Tage über der dortigen Hochwassermarke von 4,50 Metern. Der Höchststand betrug 8,23 Meter und lag damit unter den Werten von 1993 und 1995. Laut Stadtentwässerungsbetrieben war es dennoch die längste Phase über dieser Marke seit Beginn der Wasserstandsaufzeichnungen im Jahr 1816.

Ein lang anhaltend hoher Wasserstand kann Schutzanlagen, Schifffahrt und Anwohner belasten. Für Bonn lässt sich aus dem Kölner Rekord keine entsprechende Dauer ableiten. Er erinnert aber daran, dass bei Hochwasser neben dem Höchststand auch die Dauer der Situation zählt.

Was Bewohnerinnen und Bewohner vorbereiten können

  • Prüfen, ob das eigene Grundstück in einem Überschwemmungsgebiet liegt, und die örtlichen Gefahrenkarten beachten.
  • Wichtige Unterlagen und wertvolle Gegenstände nicht ungeschützt in gefährdeten Kellerräumen lagern.
  • Die Funktion einer Rückstausicherung prüfen und einen Plan für den Fall einer Überflutung haben.
  • Bei einer konkreten Warnung die Anweisungen von Stadt, Feuerwehr und Katastrophenschutz befolgen.

Für aktuelle Lageinformationen sollten Bewohnerinnen und Bewohner die amtlichen Pegel- und Warnmeldungen sowie die Hochwasservorsorge-Informationen der Stadt Bonn nutzen. Schutzanlagen können das Risiko verringern, aber keinen vollständigen Schutz vor jeder denkbaren Überschwemmung bieten.

Was die Hochwassergeschichte für Bonn bedeutet

Die großen Fluten von 1926, 1993 und 1995 zeigen, dass Hochwasser eine gemeinsame Herausforderung für die Städte am Rhein ist. Für Bonn kommt es besonders darauf an, gefährdete Uferbereiche und tiefliegende Stadtteile im Blick zu behalten. Historische Pegelwerte helfen, die Größenordnung früherer Ereignisse einzuordnen – sie ersetzen aber weder lokale Warnungen noch die Kenntnis der eigenen Gefährdung.

Der Rhein bleibt für Bonn prägend und wertvoll. Seine Geschichte mahnt zugleich, die eigene Vorsorge ernst zu nehmen und amtliche Hinweise bei steigenden Wasserständen zu beachten.

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