Wer in Bonn am Alten Zoll steht, sieht mit der Kennedybrücke eine Verbindung, die weit mehr erzählt als eine Geschichte des Verkehrs. Streit um die Finanzierung, eine steinerne Erinnerung daran und die Umbenennung nach John F. Kennedy gehören zu ihrer Vergangenheit. Auch weiter rheinaufwärts prägen Brücken das Stadtbild und erinnern an Krieg, Wiederaufbau und technische Neuerungen.
Ein Blick von Bonn über Köln bis Düsseldorf zeigt, wie unterschiedlich diese Bauwerke sind. Für einen Ausflug am Rhein lohnt es sich, nicht nur auf die bekannte Silhouette zu achten: Manche Brücken sind heute vor allem Verkehrsadern, andere lassen sich gut von Uferwegen aus betrachten. Ein wichtiger Hinweis vorab: Die Friedrich-Ebert-Brücke in Bonn wird im gelieferten Material als seit dem 3. Juni 2026 gesperrt beschrieben.
Bonn: Drei Brücken und drei Kapitel Stadtgeschichte
Kennedybrücke: vom lokalen Streit zur internationalen Namensgebung
Die Kennedybrücke verbindet die Bonner Innenstadt mit Beuel. Schon 1898 wurde an dieser Stelle die erste feste Rheinbrücke eröffnet; zuvor überquerten Menschen und Waren den Fluss mit Fähren. Beim Bau stritten sich Bonn und die damals noch eigenständige Gemeinde Vilich über die Finanzierung. Das sogenannte Brückenmännchen erinnert an diesen Konflikt.
Die damalige Brücke wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Der Neubau öffnete am 12. November 1949. Seit 1963 trägt er nach der Ermordung des US-Präsidenten John F. Kennedy den heutigen Namen. So verbindet die Brücke Bonner Lokalgeschichte mit einem Ereignis der internationalen Politik.
Wer die Kennedybrücke aus der Nähe betrachten möchte, kann sie von der Rheinpromenade am Alten Zoll aus in den Blick nehmen. Von dort lassen sich Brücke, Fluss und Teile des Bonner Stadtpanoramas gemeinsam erfassen. Die Promenade bietet damit einen guten Ausgangspunkt, um die Brücke nicht nur als Verkehrsverbindung wahrzunehmen.
Friedrich-Ebert-Brücke: wichtige Verbindung, große Sanierungsaufgabe
Die Bonner Nordbrücke, offiziell Friedrich-Ebert-Brücke, wurde am 28. Juni 1967 eröffnet. Sie verbindet die Autobahnen auf beiden Rheinseiten und sollte die Bonner Innenstadt entlasten. Ihre zwei Pylone und die Schrägseilkonstruktion stehen für den Ingenieurbau der damaligen Zeit.
Heute steht die Brücke zugleich für die Herausforderungen beim Erhalt älterer Verkehrsbauwerke. Laut den gelieferten Angaben wurde der gesamte Brückenzug am 3. Juni 2026 wegen gravierender Schäden an der linksrheinischen Vorlandbrücke für den Verkehr gesperrt. Der beschädigte Teil soll abgebrochen und ersetzt werden; die Autobahn GmbH strebt demnach eine Wiederfreigabe bis Ende 2028 an. Vor der Fahrt ist deshalb der aktuelle Verkehrsstand entscheidend. Die Karte im Ausgangsmaterial weist ausdrücklich darauf hin, dass sie keine aktuelle Befahrbarkeit abbildet.
Konrad-Adenauer-Brücke: ein Bauwerk aus der Hauptstadtzeit
Die 1972 eröffnete Konrad-Adenauer-Brücke wird auch Bonner Südbrücke genannt. Sie verbindet den Süden der linksrheinischen Stadt mit dem rechtsrheinischen Stadtgebiet und gehört zur A 562. Ihre Entstehung fällt in die Zeit, in der Bonn als Bundeshauptstadt ausgebaut wurde und neue Straßenverbindungen benötigt wurden.
Der Name erinnert an Konrad Adenauer, den ersten Bundeskanzler der Bundesrepublik und früheren Kölner Oberbürgermeister. Zusammen mit Kennedy- und Nordbrücke zeigt die Südbrücke, wie sich die Rheinquerungen mit der Entwicklung Bonns verändert haben.
Köln: Zerstörung, Wiederaufbau und markante Silhouetten
Hohenzollernbrücke: Eisenbahnverbindung und Liebesschlösser
Die Hohenzollernbrücke gehört zu den bekanntesten Ansichten Kölns: Gemeinsam mit dem Dom prägt sie die Stadtsilhouette. Die heutige Brücke entstand zwischen 1907 und 1911 und wurde am 22. Mai 1911 von Kaiser Wilhelm II. eingeweiht. Ursprünglich nutzten sie sowohl die Eisenbahn als auch der Straßenverkehr.
Im März 1945 wurde die Brücke von deutschen Truppen gesprengt. Der Wiederaufbau machte sie erneut zu einer zentralen Eisenbahnverbindung. Heute sind auch die Vorhängeschlösser an den Geländern ein prägendes Bild. Wer die Brücke und den Dom zusammen sehen möchte, findet am Rheinboulevard in Deutz einen der im Material genannten Fotostandorte.
Deutzer Brücke: Neubeginn nach einer Katastrophe
Eine erste feste Straßenbrücke an dieser Stelle wurde 1915 eröffnet. Im Februar 1945 stürzte die durch Bombentreffer beschädigte Brücke während Reparaturarbeiten ein. Zahlreiche Menschen kamen ums Leben; eine genaue Opferzahl ist laut den gelieferten Angaben bis heute ungeklärt.
Der nach dem Krieg errichtete Neubau wurde 1948 eröffnet und gilt als weltweit erste Stahlkastenträgerbrücke. Später kam eine parallel angeordnete Brückenkonstruktion hinzu. Die Deutzer Brücke erinnert damit zugleich an ein tragisches Kriegsereignis und an den technischen Wiederaufbau Kölns.
Severins- und Mülheimer Brücke: Fortschritt und Wiederaufbau
Die Severinsbrücke wurde 1959 eröffnet. Ihr markanter asymmetrischer Pylon und die Schrägseilkonstruktion machten sie zu einem sichtbaren Zeichen des Fortschritts in einem Köln im Wandel. Bei der Eröffnung war auch Konrad Adenauer anwesend, damals Bundeskanzler und früherer Kölner Oberbürgermeister.
Die Geschichte der Mülheimer Brücke reicht ebenfalls in die Zeit Adenauers als Oberbürgermeister zurück: Er eröffnete die damalige Hängebrücke am 13. Oktober 1929. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie zerstört; die heutige Brücke entstand in den Nachkriegsjahren und öffnete 1951. Bis heute ist sie eine wichtige Verbindung im Kölner Norden.
Düsseldorf: Brücken als technische Meilensteine
Oberkasseler Brücke: 12.500 Tonnen auf Wanderschaft
Ein besonders spektakulärer Moment des Düsseldorfer Brückenbaus ereignete sich am 7. und 8. April 1976. Die rund 12.500 Tonnen schwere Stahlkonstruktion der Oberkasseler Brücke wurde um 47,5 Meter seitlich an ihre endgültige Position verschoben. Sie war zuvor neben dem alten Standort errichtet worden, damit der Verkehr über die bestehende Verbindung weiterlaufen konnte. Die Vorgeschichte des festen Rheinübergangs reicht bis 1898 zurück; die damalige Brücke wurde 1945 zerstört.
Rheinknie- und Theodor-Heuss-Brücke
Die Rheinkniebrücke wurde 1969 eröffnet. Ihre 114 Meter hohen Pylone und die Länge von mehr als 1,5 Kilometern prägen das Düsseldorfer Stadtbild. Der Name verweist auf die Flussbiegung des Rheinknies. Die Düsseldorfer Rheinuferpromenade bietet laut Ausgangsmaterial Blicke auf diese Brücke und die Oberkasseler Brücke.
Die Theodor-Heuss-Brücke, vielen noch als Nordbrücke bekannt, wurde 1957 eröffnet. Sie gilt als weltweit erste moderne Schrägseilbrücke mit freistehenden Pylonen und harfenförmig angeordneten Tragseilen. Ihr Konstruktionsprinzip beeinflusste den Brückenbau über Düsseldorf hinaus.
So lässt sich der Blick auf die Brücken planen
Für einen Spaziergang mit Brückenblick nennt das Material drei konkrete Perspektiven: In Bonn die Rheinpromenade am Alten Zoll mit Blick auf die Kennedybrücke, in Köln den Rheinboulevard in Deutz mit Hohenzollernbrücke und Dom sowie in Düsseldorf die Rheinuferpromenade mit Oberkasseler und Rheinkniebrücke. Das sind Aussichtspunkte, keine Angaben zur aktuellen Befahrbarkeit der Brücken.
Die zehn Bauwerke zeigen, wie eng Rheinquerungen mit Stadtentwicklung und Geschichte verbunden sind. Sie erzählen von frühen festen Verbindungen, technischen Neuerungen, Zerstörung und Wiederaufbau. In Bonn wird dieser Wandel besonders greifbar: Die Kennedybrücke verbindet Stadtgeschichte mit internationaler Erinnerung, die Südbrücke steht für die Hauptstadtzeit und die Nordbrücke macht die heutigen Aufgaben beim Erhalt der Infrastruktur sichtbar.